17.03.2022

Aus Lärm wird Klang

Entwurfswerkzeuge zum Umgang mit Lärmschutz

Lärm ist ein Hintergrundphänomen. Allerdings ist es für das Wohlbefinden gewichtig, das zeigt die Gesetzgebung. Aber auch für das Entwerfen ist Lärm mehr als nur ein Parameter im Hintergrund: Lärm – respektive die Verordnungen zu unserem Schutz davor – formt Architektur und Stadt wie nur wenige andere Einflussgrössen. Der Lärmschutz in der Schweiz ist ein Paradebeispiel für die unkoordinierte Überregelung des Bauwesens, und die überall sichtbaren Veränderungen im urbanen Gebiet sprechen davon Bände.

Im Moment ist die Situation paradox. Denn Lärm und insbesondere Verkehrslärm wird nicht oder nur ungenügend an der Quelle bekämpft. An die Stelle grundsätzlicher Veränderungen des Mobilitätsverhaltens tritt die Bekämpfung von Symptomen mittels Flüsterbelägen und Lärmgrundrissen…

Ein Forschungsprojekt an der ZHAW schlägt nun einen Ansatz an den Wurzeln der Architektur vor und will den Lärmschutz als Antrieb verstehen und nicht als Hemmnis. Das ist zwar nicht direkt bei der Wurzel des Übels angesetzt – dem motorisierten Individualverkehr –, doch das Projekt schafft typologische und konstruktive Werkzeuge, die tatsächlich helfen, den Tiger zu reiten.

Zusammen mit dem Cercle Bruit hat das von Astrid Staufer geleitete Institut für konstruktives Entwerfen eine Webseite aufgeschaltet, die Fakten und Grundlagenwissen zum Thema aufbereitet und die richtigen Fragen stellt – und auch Antworten gibt. Dazu gehören Planungshilfen ebenso wie eine Checkliste, mit welcher der diffuse Hintergrund in seine «spektralen» Eigenschaften zerlegt werden kann, sodass eine konkrete Planungsaufgabe auch zu konkreten Entwurfsoptionen führt.

Die Webseite bringt das Hintergrundphänomen aber nicht nur über diese technischen und prozeduralen Werkzeuge in den Vordergrund. Sie schafft auch einen Anreiz, um Lärm positiv zu verstehen. Dies geschieht über das Bewusstsein, dass Lebensräume auch Klangräume sind und Entwerfen eben nicht nur den visuellen Sinn einschliessen sollte.

— Tibor Joanelly

baukultur-laerm.ch

© baukultur-laerm.ch
Anzeige