7/8 – 2010

Nantes

Mit der Berufung des Architekten Alexandre Chemetoff zum Leiter des Stadtumbaus wurde in Nantes eine Entwicklung in Gang gesetzt, die nicht nur für das dirigistische Frankreich vorbildlich ist. Das in diesem Heft vorgestellte Verfahren des «Plan-guide» integriert den industriellen Baubestand auf unorthodoxe Weise, ist offen für die Mitsprache der Bevölkerung und für Experimente, obwohl es in der öffentlichen Wahrnehmung an einzelne, charismatische Entscheidungsträger gebunden ist. Nantes wächst auch an seinen Rändern. Was anlässlich von Europan 1 noch ein spielerisches Herantasten an die Lebensumstände in der Peripherie war, wird heute im grossen Massstab umgesetzt. Fragen um ein angemessenes Bauen am Stadtrand gehen Hand in Hand mit Fragestellungen um ökologische, soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit und finden anregende architektonische Antworten. Das Planungsinstrument der «Zone d’Aménagement Concertée» (ZAC) ist ein umstrittenes, aber leistungsfähiges Mittel, um grosse und schlecht erschlossene Bereiche mit der Stadt stärker zu vernetzen. Für uns ist das Vorgehen interessant, weil es grundsätzlich von Fragen der Erschliessung mit dem öffentlichem Verkehr und einer baulichen Verdichtung ausgeht.

Zurück an den Fluss

Zur städtebaulichen Geschichte von Nantes

Thierry Guidet

Die Loire soll Nantes wieder prägen. Mit diesem planerischen Programm hat der Städteverbund Nantes/Saint-Nazaire erfolgreich auf die staatliche Projektausschreibung reagiert, um das Label Ökocity zu erhalten. Darin ist der Wille für eine Rückkehr zu den Ursprüngen der Stadt zu erkennen.

Originaltext Französisch

Hafengebiet an einem Flussarm der Loire; die Brücke wurde 1903 erstellt und 1958 wieder abgebrochen.

Plan guide

Ein Instrument zur Sicherung der Vielfalt auf der Ile de Nantes

Alexandre Chemetoff

Der Plan-guide umfasst das gesamte Entwicklungsgebiet von 350 Hektaren, die klar umrissene, geografische Einheit der Insel. Anders als übliche Master- oder Richtpläne verändert er sich dauernd, wird fortlaufend aktualisiert und an die Realität angepasst.

Ile de Nantes, Plan Guide, 2008

Fluchtpunkt Ile de Nantes

Von der Verwandlung eines Stadtteils

Bertrand Escolin

Nantes ist die sechstgrösste Agglomeration Frankreichs und erlebte im vergangenen Jahrzehnt einschneidende städtebauliche Veränderungen. Das Herz der Metropole hat sich dabei ganz der «Ile de Nantes» zugewandt, jenem weitläufigen, zentral gelegenen Areal, wo neue Orte mit Zentrumsfunktion entstanden sind. Sie knüpfen an die industrielle Vergangenheit der Insel an und erwecken sie zu neuem Leben.

Luftaufnahme der Ile de Nantes

Neutrale Gegenwart

Das Gebäude der Architekturschule von Lacaton & Vassal

Tibor Joanelly, Philippe Ruault (Bilder)

Mit der 2009 bezogenen Architekturschule verhalf sich Nantes in der Architekturwelt zu internationaler Aufmerksamkeit. Das Gebäude ist für die Stadtentwicklung auf der Ile de Nantes ein zentraler Generator von Öffentlichkeit und besticht formal durch radikale Sachlichkeit.

Der Bau fügt sich in die bestehende Stadtgeometrie ein und tritt an der Place Francois II prägnant in Erscheinung.

L'état des lieux

Gespräch mit Alexandre Chemetoff und Patrick Henry

Alexandre Chemetoff, Architekt, Stadtplaner und Landschaftsarchitekt, hat mit seinem Team während zehn Jahren, von 2000 bis 2010, die städtebauliche Entwicklung und damit die Umgestaltung der Ile de Nantes geprägt. Sein Partner Patrick Henry, Architekt und Stadtplaner, leitete dabei das «Atelier Ile de Nantes», des eigens für das Grossprojekt eingerichtete Büro vor Ort. In einem Gespräch in der Ausstellung «Droit de visite» in Genf erläutern die beiden ihren charakteristischen Planungs-Ansatz, der auf der Arbeit «in situ» beruht. 

Alexandre Chemetoff (links) und Patrick Henry (rechts)

Nachhaltig günstig

Das neue Eco-Quartier Bottière Chénaie

Pierre-Arnaud Barthel, Stéphane Chénaie (Bilder)

Nachhaltige Stadtentwicklung geniesst bei den französischen Planern zur Zeit Hochkonjunktur. Nantes zeigt mit dem Eco-Quartier Bottière-Chênaie, wie sich Ansprüche an eine hohe Wohn- und Umweltqualität teilweise in die Tat umsetzen lassen.

Originaltext Französisch

Masterplan des Eco-Quartiers ZAC Bottière Chénaie von Jean-Pierre Pranlas-Descours (Planung) sowie Anna-Sylvie Bruel und Christophe Delmar (Landschaftsgestaltung).

Soziale Ambitionen

Innovative Wohnbauformen für knappe Budgets

Francis Rambert

Der soziale Wohnungsbau ist ein beliebtes Experimentierfeld. Auf der Ile de Nantes profiliert sich unter anderen das lokale Architekturbüro Tétrarc mit eigenwilligen Neubauten.

Originaltext Französisch

Tétrarc, Arborea, Wohnsiedlung mit 136 Wohnungen, Tierklinik im EG und Parking, Boulevard René Viviani, Ile de Nantes, 2004-2006

Talentschmiede Nantes

Drei Architektengenerationen im Porträt

Dominique Amouroux

Nantes verbindet eine neue kulturelle und wirtschaftliche Dynamik mit einem klassischen Geist. Mehrere hundert Architektinnen und Architekten aller Generationen arbeiten daran, diese Widersprüchlichkeit zu überwinden.

Originaltext Französisch

Avignon-Clouet: Mai du Livre d\\\\\\'art, Nantes, 2003

Bauten

Gondelbahn zum Home Office. Nullenergiehaus in Mostelberg von Diethelm Spillmann Architekten

Wettbewerb

Andere Räume. Psychiatrische Klinik Lausanne-Cery. 1. Preis Federica Colombo – Andreas Casiraghi / Remo Leuzinger, Lugano

Innenarchitektur

Bistro ahoi! Umbau eines ehemaligen Billetthäuschens zum Bistro in Luzern von Dolmus Architekten und Jäger Egli Architekten

Umbauten

Der neue Chic für die knappen Reisebudgets. Umbau und Erweiterung der Jugendherberge St. Alban in Basel durch Buchner Bründler Architekten

werk-material 03.07 / 558

Vom Wesen der Wand

Kornel Ringgli

Produktionshalle Parenteralia in Kaiseraugst von Itten + Brechbühl, Basel

Aussenansicht mit Treppenhaus

werk-material 03.06 / 559

Nischen der Gestaltung

Caspar Schärer

Industriehalle der Gebrüder Meier AG in Regensdorf von Graser Architekten, Zürich

Anlieferung und Eingang, Büros in der Austragung im 2. OG

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