12 – 2012

Wunderkammern

Fremdes, Skurriles, kunsthandwerkliche Kostbarkeiten und auch Werke der Kunst sammelten die Fürsten der Renaissance in ihren Wunderkammer und schufen in den scheinbar ungeordneten Schatzräumen ein dreidimensionales Abbild der damaligen Welt. Es sind mannigfaltige Gründe, die das Thema der Wunderkammer heute wieder attraktiv erscheinen lassen: das Spielerische, das Nebeneinander von Gegensätzlichem, das vermeintliche Chaos, das enzyklopädische Moment, die überbordende Fülle, die Anti-Spezialisierung; aber auch der Reiz des Abseitigen, Exotischen und die Betörung durch die Szenografie, das Bühnen- und Theaterhafte. Im vorliegenden Heft erklärt ein Essay zur Raumfindung der Wunderkammer die ihr zu Grunde liegende dreidimensionale Ordnung und ihre Erschliessung durch den perspektivischen Blick.

Im Schwammraum

Hommage an Sir John Soane's Museum in London

Mathias Müller und Daniel Niggli

Der Abschluss einer ersten Phase von Umbaumassnahmen durch Caruso St John Architects bietet den Anlass, das Architekturkabinett des Sir John Soane wieder zu besuchen. Die in «Lumière mysterieuse» getauchten Raumsequenzen faszinieren nach wie vor Architekten in aller Welt.

Dome Area, im Zentrum eine 1828 von Sir Francis Chantrey angefertigte Marmorbüste von Sir John Soane.

Raumfindung Wunderkammer

Ein Weltmodell aus dem 16. Jahrhundert

Gabriele Bessler

Weder Originale noch authentische Abbildungen, einzig Berichte sind von Wunderkammern erhalten. Aus Erzählungen und Inventaren kann man sich dennoch ein Bild davon machen, wie sich ganze Weltvorstellungen und höfische Repräsentationsansprüche in der Wunderkammer spiegelten. Die Zentralperspektive verlieh ihrer Wahrnehmung und Ordnung die strukturierende Kraft.

Rekonstruktion der Wunderkammer des Kopenhagener Arztes Ole Worm in der Ausstellung des Völkerkundemuseums der Universität Zürich «Die Welt im Zimmer» 1998.

Die Zukunft der Vergangenheit

Rem Koolhaas / OMA und die Geschichte

Frank Boehm

Welche Rolle spielt die Geschichte im Entwurf? Das Office for Metropolitan Architecture hat 1980 auf der ersten Architekturbiennale in Venedig gegen das Thema «Presence of the Past» opponiert, nun aber – 30 Jahre später – bei den Ausgaben von 2010 und 2012 selbst die Geschichte thematisiert.

Wettbewerbsprojekt für die Exposition Universelle 1989 in Paris. OMA/Rem Koolhaas mit Elia Zenghelis, Kees Christiaanse u.a.

Die Stadt und die Dinge

Orhan Pamuks Museum der Unschuld in Istanbul von Ihsan Bilgin und Sunder-Plassmann Architekten

Olaf Bartels

Das «Museum der Unschuld» dokumentiert die Welt eines Romans. Mit realen Erinnerungsstücken vergegenwärtigt es das fiktive Leben der Romanfiguren und wird so zugleich zu einem Museum der Stadt Istanbul. In enger Zusammenarbeit mit Orhan Pamuk gestalteten Sunder-Plassmann Architekten die Sammlung im Stadtteil Çukurcuma.

Spuren fiktiver Personen im Raumkontinuum eines erfundenen Museums

Take your pleasure seriously!

Eine Architektenwohnung als Wunderkammer

Annette Spiro

Im Einmaligen und Individuellen das Allgemeine suchen: Diesen Leitsatz verkörpert die Wohnung von Annette Helle und Patrick Gmür in Zürich. Ihre Räume und die in ihnen versammelten Kunstwerke und Fundstücke verschmelzen zu einer Einheit, die Erfahrenes und Erinnertes zur Synthese führt.
Ein Detail aus der Wohnung von Annette Helle und Patrick Gmür von Helle Architektur, Zürich

Denken, Erfinden, Giessen

Besuch in einer Wunderkammer der Kunst

Barbara Basting

Im St. Galler Sitterwerk mit der Kunstgiesserei von Felix Lehner im Zentrum lassen Künstler verrückt anmutende Ideen umsetzen. Hier entstehen Werke, die international für Furore sorgen.

Kesselhaus Josephsohn, Areal Sitterwerk, Ausstellungsaufbau 2005: Felix Lehner mit den Architekten Lukas Furrer und Christoph Flury (rechts).

Material

Herstellung leim- und verbindungsfreier Holzbauteile

Wettbewerb

Projektwerttbewerb Neubau Stadion Zürich und Wohnsiedlung Hardturm

Innenarchitektur

Tageslichtsimulation im Architekturmodell. Methoden der Lichtplanung im Entwurfsprozess.

Umbauten

Instandsetzung der reformierten Kirche Rheinfelden durch Daniel Studer

Nachruf

Zum Tod des Architekten Fritz Haller (1924–2012)

BSA

Neumitglieder Bund Schweizer Architekten BSA 2012

werk-material 06.05 / 606

Den Himmel einfangen

Marc Frochaux

Bâtiment administratif Avenue de France, Genève von group 8 (Verwaltungsgebäude in Genf von group8)

Aussenfassade aufs Bahngleis.

werk-material 06.05 / 607

Adresse an den Gleisen

Caspar Schärer

Office de l'Assurance Invalidité pour le Canton de Vaud, Vevey von Personeni Raffaele Schärer Architekten, Lausanne (Bürogebäude in Vevey von Personeni von Personeni Raffaele Schärer Architekten, Lausanne)

Sicht über die Gleise.

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