9 – 2014

Wohnen in der Agglo

Der Lebensstil in der Agglomeration – kurzum Agglo – ist durch und durch urban geworden. Es haben Typologien in die Schweizer Agglo gefunden, die in den grünen Aussenquartieren der Städte erprobt wurden. Es sind Bauten von erheblichenr Dichte und Grundrisse, die die Vorzüge urbaner und ländlicher Welten vereinen: Der bürgerliche, auf Repräsentation und Individualität getrimmte Wohnraum tritt mit grosszügigen Aussenbereichen in Verbindung, die ungestörten Freizeitgenuss und Aussicht ins Grüne versprechen. Nebst einem dezidierten Versuch, «Stadt» in die Agglo zu tragen, stellen wir Bauten vor, die das Gewöhnliche und etwas Ungehobelte ernst nehmen und im vermeintlichen Niemandsland neue Orte schaffen.

Leseprobe

Brief aus Rothrist

Architektur und Raumplanung in der Mitte

Caspar Schärer (Text und Bilder)

Am diffus verstädterten «Strassenkreuz der Schweiz» liegen Bern, Basel, Zürich und Luzern nur eine halbe Stunde entfernt. Planerische Koordination über Gemeindegrenzen hinweg gibt es erst ansatzweise – und dennoch denkt Rothrist mutig voraus. In seinem Norden, an der Bahnlinie entsteht ein geordnetes Quartier für dereinst 1200 Einwohner – von der städte-baulichen Struktur her ist die Voraussetzung für urbanes Leben gegeben.

Städtische Dichte inmitten grüner Wiesen: Die ersten Neubauten im Quartier «Breitenpark» sind Blockrandtypen und zeigen zum künftigen Park fünf Geschosse.

An industriellen Wassern

Wohnbauten in Uster von Morger + Dettli und Gigon / Guyer Architekten

Martin Tschanz, Ruedi Walti und Roman Keller (Bilder)

Das Zellwegerareal in Uster wird seit dem Wegzug der Industrie nach einem Masterplan von EM2N Architekten verdichtet. Ein Wohnbau von Morger + Dettli und eine Siedlung von Gigon / Guyer sind inzwischen fertiggestellt. Modernistische Wohnscheibe und skandinavisch anmutende Siedlung: Ob die stimmige Architektur auch den urbanen Geist des Ortes zu stärken vermag, wird sich zeigen.

Gebrochene Eleganz

Wohnaus in Nyon von Charles Pictet

Anna Hohler

Modern-elegant und handwerklich würdevoll wirkt das vom Genfer Architekten Charles Pictet am Rand einer Industriezone geplante Wohnhaus: Seine Fassade ist aus gebrochenen und geweisselten Backsteinen ausgeführt, die Wohnungen leben von gutbürgerlichen Grundrissen und raffinierten Details.

Originaltext Französisch

Bilick von Südösten: Der weisse Baukörper setzt im Wirrwarr der gemischten Zone einen starken Akzent. Die Verkleidung aus der Länge nach halbierten Backsteinen gibt der gedämmten Fassade eine robuste Patina.

Soziale Dichte

Wohnsiedlung Plateau de Vessy von Atelier Bonnet

Yves Dreier, Yves André (Bilder)

In Veyrier bei Carouge hat Atelier Bonnet mit der Wohnsiedlung Plateau de Vessy eine Überbauung geschaffen, in der die zarten Fäden der Kommunikation im Siedlungsalltag mittels gemeinschaftlicher Hofterrassen maximal konzentriert sind, um auf das Umfeld auszustrahlen. Die Siedlung offenbart exemplarisch die Potenziale eines eigenen, halbstädtischen Entwurfsansatzes.

Originaltext Französisch

Das Plateu de Vessy mit Blick über die Arve zum Salève. Als Vorposten städtischer Dichte drängen sich die drei Gebäudegruppen dicht aneinander und konzentrieren so das soziale Leben der Siedlung.

Normal unterwegs

Siedlung Neugrüen in Mellingen von Dietrich Schwarz Architekten

Martin Bruhin, Jürg Zimmermann (Bilder)

Willkommen in der Welt der real existierenden Nachhaltigkeit: Beim Entwurf der grössten Minergie-A-eco-Siedlung der Schweiz in Mellingen setzten Dietrich Schwarz Architekten auf drei verschiedene Bautypen und kleinstädtische Aussenräume. Für das Investitionsobjekt wurden sorgfälltiges Planen, solide Ausführung und einfache Technologien zur Maxime.

Reiheneinfamilienhäuser, zu jeweils zwei bis drei Einheiten zusammengefasst, bilden neben Punkthäusern und Zeilenbauten einen Siedlungsbaustein. Die Bauten sind so angeordnet, dass weite und enge Räume entstehen.

Teile und baue

Das Richti-Areal in Wallisellen von Vittorio Magnago Lampugnani

Roland Züger, Tibor Joanelly und Caspar Schärer

Stadt oder Agglo? Das Richti-Areal in Wallisellen polarisiert. – Und ist Anlass für eine Debatte: Roland Züger und Tibor Joanelly verfassten je einen Kommentar, einmal für die Stadt, die in die Agglo angekommen ist und einmal gegen das Arealdenken, das nur Fragmente produziert. Caspar Schärer listet die Facts zur Grossüberbauung.

Blick von Süden in Richtung Hauptplatz.

Debatte

Architektur leitet sich von Architektur ab. Der Architekt und Theoretiker Markus Breitschmid äussert sich zu Referenz, Schwerkraft und Bedeutung.

Wettbewerb

Opération les Vernets. Ein Mischquartier mit 1500 Wohnungen für Genf von Fruehauf, Henry & Viladoms, Lausanne, mit Atelier Descombes Rampini, Genf.

Recht

Risikomanagement

Ausstellungen

Rem Koolhaas' Architekturbiennale 2014 in ihre Elemente zerlegt: Tibor Joanelly berichtet über «Elements of Architecture», Daniel Kurz über «Monditalia», Caspar Schärer über die Pavillons in den Giardini und Roland Züger über das, was all die Teile verbindet.

Zeitzeichen

An den Städten vorbei

Dona Dejaco (1973) und Martin Heller (2014)

Symposien allerorten: Alle reden immer über die Stadt. Vor lauter Erfolgsrezeptoren geht leicht vergessen, dass erfolgreiche Stadtenwicklung – entscheidender als vielerorts behauptet – von lokalen Ressourcen und den Eigenheiten jeder Stadt abhängt.

Das Auge hat etwas zu weiden...die Fassade der Waro in Rickenbach/Wil ist das Werk von Ueli Bär und Peter Mandzjuk.

Flaggschiff der Nordküste

Studentenwohnhaus Aspholz in Zürich von Darlington Meier Architekten

Barbara Wiskemann, Lucas Peters (Bilder)

Das Studentenwohnhaus Aspholz in Zürich von Darlington Meier Architekten ist jüngstes Kind im Boomgebiet von Ruggächern. Über einem städtischen Sockel mit Gemeinschaftsnutzungen erheben sich fünf Etagen mit räumlichem Reichtum. 

Vorplatz und Sockelzone beherrschen den nahen Raum, die hohen Loggiatürme die Fernsicht am Stadtrand. Die leuchtenden Sonnenstoren sind der Kunst und Bau-Beitrag von Shirana Shabazi.

Starkes Grün

Stadtpark und Zellwegerpark in Uster von Studio Vulkan Landschaftsarchitektur

Sabine Wolf, Volker Schopp (Bilder)

Der Aabach, die historische Lebensader von Uster, fand im Stadtlandschaftskonzept von Studio Vulkan eine zeitgemässe Bestimmung.

Den östlichsten Teil des grünen Rückgrats von Uster bilden die offenen Wiesenflächen des Stadtparks, die seit 2010 wieder vermehrt in Beschlag genommen werden. Locker verstreute Betonliegeflächen und stalaktitenförmige Beleuchtungskörper setzten gestalterische Akzente.

werk-material 14.07 / 638

Glutnest

Martin Josephy, Radek Brunecky (Bilder)

Feuerwehr- und Zivilschutzmagazin, Pratteln von Berrel Berrel Kräutler Architekten, Basel / Zürich

Die Einstellhalle wendet sich geschickt von der Strasse ab, um den Wohnhäusern nebenan keine breite Stirn zu bieten.

werk-material 14.07 /  639

Feuerwehrfabrik

Marc Frochaux, David Gagnebin-de Bons (Bilder)

Caserne intercommunale de pompiers, Bernex von Bunq architectes, Nyon (Werkhof)

Originaltext Französisch

Zur gekurveten Strasse hin gewinnt die serielle Baustruktur ihren Reiz durch die Rücksprünge und Höhenentwicklung des Shedachs.

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