
Was hat die Hardbrücke in Zürich mit dem Pariser Eiffelturm gemeinsam? Eigentlich sollten beide nicht mehr existieren. Während der stählerne Turm für zehn Jahre vorgesehen war, galt die Hardbrücke als Zwischenlösung bis zum Bau des geplanten Expressstrassen-Ypsilon. Beide Bauten stehen noch – der Turm als Wahrzeichen, die Brücke als Verkehrsachse für über 50 000 Fahrzeuge pro Tag. Nach Protesten gegen den Strassenausbau wurde die Hardbrücke zur Dauerlösung, zuletzt 2011 saniert und mit Velowegen und Tramgleisen aufgewertet. Es ist ein schmaler Grat zwischen temporär und dauerhaft. In Zeiten, in denen Gebäude kaum 50 Jahre überdauern, experimentieren Architekturschaffende zunehmend mit temporären Projekten, Interventionen oder Performances. Das Heft beleuchtet das Potenzial des Ephemeren und die Rolle der Zeit in der Architektur. Die Grenzen sind fliessend und oft ist das vermeintlich Temporäre überraschend dauerhaft, und umgekehrt.
Die Arbeiten von Kosmos Architects und Sujet Objets umfassen neben klassischen Architekturprojekten auch Performances und Interventionen. Wir sprachen mit ihnen über den Wert des Vergänglichen. Temporäre Architektur ermöglicht Spontanität, öffnet neue Perspektiven auf schwierige Orte und zeigt unkompliziert Wege auf, wie Bestehendes neu genutzt werden kann. Ein Gespräch über Zeitlichkeit, Pragmatismus und Ästhetik. Artikel lesen
Auf dem Campus der Hochschule Luzern in Horw steht für die nächsten Jahre ein Pavillon. Initiiert wurde er vom Unternehmen Oxara, einem Spinoff der ETH Zürich. Künftig wird darin geforscht: Wie kann zementöses Baumaterial durch kreislauffähiges ersetzt werden? Beim Bau wurde mit Materialien experimentiert: Bodenbeläge aus Lehm, Steine aus Aushub oder Wände aus angereichertem Flüssiglehm. Experimentell ist auch die Form: Fast anachronistisch muten die Bögen und Tonnengewölbe an.
Zürich leidet unter akutem Mangel an Schulraum. Zwei jüngst fertiggestellte Projekte zeigen unterschiedliche Lösungsansätze mit Schulprovisorien. Auf einem Areal des früheren Güterbahnhofs realisierten Pool Architekten mit Baubüro in situ einen demontierbaren Modulbau für 650 Schülerinnen und Schüler. Am Universitätscampus Irchel hingegen haben Stücheli Architekten temporäre Räume für 2200 Jugendliche im Bestand eingerichtet – als Ausweichquartier für drei Kantonsschulen, die in den nächsten Jahren saniert werden.
Wenn es schnell gehen muss, kommen oft Provisorien zum Einsatz. So auch in Situationen grösster Not, wenn Menschen auf der Flucht Wohnraum benötigen. Ein Forschungsprojekt der Berner Fachhochschule untersucht, wie Geflüchtete hierzulande untergebracht sind. In Bern, Genf und Zürich gibt es grosse Unterschiede: an welcher Lage Wohnraum entsteht, welche Aussenräume es gibt und wie für Privatheit in den Unterkünften gesorgt wird. Überall gilt: Eine würdevolle Unterbringung ist eine kontinuierliche Aufgabe.
Der Allianzvertrag ist in aller Munde und ein grosses Versprechen für mehr Miteinander statt Gegeneinander beim Bauen. Autorin Clea Gross zeigt Vorteile und Fallstricke des neuen Vertragswerks und berichtet von Erfahrungen aus England.
Das Schauspielhaus Zürich hat seit seiner Eröffnung 1899 viel erlebt. Im Zweiten Weltkrieg war es Zufluchtsort jüdischer Künstler, mit den aufsehenerregenden Stücken von Frisch und Dürrenmatt gewann es Weltruhm. Den Wettbewerb zum Umbau des Schauspielhaus Pfauen hat das Architekturbüro EMI gewonnen. Der Architekturkritiker Martin Tschanz erklärt, was es besser gemacht hat als die Konkurrenz.
Als mögliche Weihnachtsgeschenke schlägt die Redaktion vier Publikationen vor. Mit dabei sind zwei Kinderbücher; eines zum Thema Ersatzneubau und eines zu Bauweisen von Tieren. Darüber hinaus empfehlen wir zwei Bücher zum Heftthema: eines zu einem Architekturfestival, das mit Pavillons eine nordspanische Kleinstadt beleben soll, und eines zur Obdachlosigkeit und was die Architektur mit ihr zu tun hat.
Jannik Richter und Oliver Hänni verbindet die gemeinsame Lust an der Diskussion und am gepflegten Streit. Aus dieser Reibung entstehen ihre Entwürfe. In unserer Rubrik erklären die beiden ihre Herangehensweise anhand eines privaten Auftrags für ein Haus, das in Luzern am Steilhang steht. Richter und Hänni haben es wie eine Skulptur entwickelt. Artikel lesen
Auf der griechischen Insel Kea haben Alexandros Fotakis und Nicoletta Caputo ein kleines Haus in einem Garten errichtet. Nicht nur die Setzung in idyllischer Umgebung, sondern auch die Konstruktion des Baus aus lokalem Naturstein ist sensibel und in Rücksicht auf den Ort erfolgt. Der Autor Antoine Prokos nennt es ein Zelt aus Stein. Sein Text bringt die Qualitäten des Projekts gekonnt zur Sprache und ist deshalb der fünfte und letzte Preisträger unseres Erstling-Schreibwettbewerbs, den wir hier vorstellen.