Alder Clavuot Nunzi Architekten, Soglio

Architektonische Gesten

Es gäbe eine neue Generation von Architekten, die eine theoretische Auseinandersetzung mit ihrer Arbeit nicht scheuten. Mit diesen Worten empfahl uns ein Mitglied unserer Redaktionskommission das Büro von Matthias Alder (*1987), Silvana Clavuot (*1982) und Alessandro Nunzi (*1985). Sie schöpfen die entwerferische Tiefe aus dem peripheren und ländlichen Kontext.

Was ist Euch bei der Arbeit wichtig?

Jedes Stück Architektur entsteht aus einer Vielzahl von Bedingungen, deren Beziehungen untereinander eine hohe Komplexität hervorbringen können. Der Entwurfsprozess fordert eine vertiefte Untersuchung dieser Vielschichtigkeit, und ihre Umsetzung in eine schlussendlich formal angemessene Gestalt bedeutet uns viel.

Welche Gedanken sind zentral für Euren Entwurf?

Wir suchen nach Ansätzen, die das grosse Feld an Bedingungen in einer architektonischen Einfachheit, Direktheit und Selbstverständlichkeit zum Ausdruck bringen; gleichsam sind das auch Strategien, die der Architektur eine vielfache Lesbarkeit und Benutzung eröffnen. Wir versuchen, robuste und langlebige Ideen in architektonische Gesten umzusetzen. Sie sollen, entwerferisch tragfähig und präzise ausformuliert, ein Projekt definieren und verorten.
Ökonomische Fragen nehmen in diesem Prozess eine wichtige Rolle ein – im Sinne eines sparsamen Einsatzes gedanklicher und baulicher Mittel. das Ziel ist nicht ein Minimalismus. Wir messen vielmehr jeder einzelnen architektonischen Geste grossen Wert bei, entsprechend arbeiten wir sie akkurat aus.
Von Beginn an streben wir eine gesamtheitliche Betrachtung an, die das Projekt in ein Spannungsfeld zwischen Ort und Aufgabe, Ideellen und Bauen, Atmosphäre und Konstruktion treten lässt. So entwickeln sich Charakterzüge, die jedem Projekt eine stetig wachsende Eigenständigkeit geben, die zwischen Entwurf und Ausführung sämtliche Massstabsebenen prägen. In gebauter Form lässt diese Eigenständigkeit eine Alltäglichkeit zu, die sich selbst erklärt und sich einem wandelnden Kontext stellen kann.

Wie beeinflusst der Arbeitsort Soglio euer Schaffen?

Struktur und Substanz des Dorfes sind in einer Auseinandersetzung zwischen Individuum und Gesellschaft entstanden und haben Jahrhunderte überdauert. Die Dichte an Lebensräumen von pragmatischem Charakter und grosser architektonischer Qualität vermögen den steten Veränderungen Rechnung zu tragen und diese in sich aufzunehmen. Komplexe Ausgangslagen und Beziehungen wurden bei Eingriffen in das Gebaute oft mit grosser Einfachheit gelöst, ohne banal zu werden.
Die Beobachtung von Räumen und Typologien ist bewusster Teil unserer Arbeit und schafft inhaltlich einen Fundus an Themen, den wir für die Aufgaben unserer Zeit und die gegebenen Bedingungen übersetzen möchten. Das Analytische und das Intuitive stehen dabei in direktem Nebeneinander.

Gesamterneuerung Seilbahn Albigna ewz, Vicosoprano

Alder Clavuot Nunzi Architekten, Soglio

mascan.ch

Gesamterneurung Seilbahn Albigna ewz, Vicosoprano, Pranzaira 365, 7603 Vicosoprano GR; Bauherrschaft: Elektrizitätswerke der Stadt Zürich, ewz; Architektur: Alder Clavuot Nunzi Architekten, Soglio; Bausumme gesamte Anlage: CHF 15 Mio.; Chronologie: August bis September 2013: Planerwahlverfahren/siegreiches Projekt, November 2013: Baueingabe, Mai 2014: Beginn Bauarbeiten Bergstation, März 2015: Beginn Bauarbeiten Talstation, August 2016: Baufertigstellung Berg- und Talstation; Fotos: Alder Clavuot Nunzi Architekten

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